Autorenbrunch mit Micaela Jary

Autorenbrunch mit Micaela Jary

März 29, 2020 0 Von DorokatH
Foto: Sally Polian Photografie

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Schnellfragerunde:

Oper oder Musical? Beides. Ich sehe keine Differenz.

Paris oder New York? Paris. Aber ich liebe New York.

Nordsee oder Alpen? Auf jeden Fall Nordsee.

Actionstreifen oder Liebesschnulze? Liebesschnulze.

Salat oder Suppe? Salat. Ich bin ein Suppenkaspar.

1. Du schreibst überwiegend historische Romane und (als Michelle Marly) Romanbiografien. Was macht für dich die Faszination historischer Stoffe aus und was ist für dich literarisch gesehen die spannendste Epoche?

Grundsätzlich liebe ich alte Dinge – Möbel, Glas, Bilder usw. – nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern weil ich der Meinung bin, dass sie etwas erzählen über eine Zeit und ihre Menschen. Ich glaube sogar, auch Steine erzählen Geschichten. Und ich meine, ohne die Vergangenheit zu verstehen, können wir die Zukunft nicht wirklich positiv erleben. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich manches zu wiederholen droht, scheint mir dieser vernünftige Blick zurück doch sehr wichtig zu sein. Eine bestimmte Epoche habe ich dabei aber nicht im Auge. Die Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts waren interessant, aber das trifft auch auf das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zu, als sich die industrielle und politische Entwicklung im Schnellverfahren veränderte.

2. Im Juli 2019 bist du mit der Kino-Saga gestartet (Band 1: Das Kino am Jungfernstieg). Band 2 erscheint im März nächsten Jahres (Das Kino am Jungfernstieg: Der Filmpalast). Für dich als Tochter eines berühmten Filmkomponisten in gewisser Weise ein Heimspiel. Ist diese Buchreihe für dich ein besonderes Herzensprojekt?

Ich mag das Wort „Herzensprojekt“ nicht. Jedes Buch sollte das Herzensprojekt seines Autors sein, andernfalls wäre es nicht besonders nett, von fremden Menschen zu erwarten, Geld dafür auszugeben und es zu mögen. Aber natürlich ist mir das Thema Kino sehr nah, es ist letztlich ein Ausflug in meine Kindheit, obwohl ich zur Zeit meiner Handlung noch nicht gelebt habe.

3. Viele deiner Bücher spielen in Hamburg. Was macht die Hansestadt zu einer geeigneten Romankulisse und was ist deine Lieblingsecke in Hamburg?

Hamburg ist meine Geburtsstadt, und ich finde, es ist eine der schönsten Städte der Welt. Beides macht die Stadt zu meiner favorisierten Romankulisse (mit Paris, wo ich einige Jahre leben durfte). Meine Lieblingsecke ist der Eppendorfer Baum. Das liegt aber auch daran, dass das mein Hamburger Zuhause ist, die erste Anschrift meines Lebens befindet sich in der Nähe und meine Oma wohnte in einer Seitenstraße; das war dann jahrzehntelang meine Anlaufstelle, als meine Eltern und ich längst nicht mehr in Hamburg wohnten. Wenn ich heute nach Hamburg fahre, buche ich meistens ein Hotelzimmer nicht besonders weit davon entfernt.

4. Allerdings zieht es dich literarisch auch in südlichere Gefilde (»Sehnsucht nach Sansibar« 2012, »Die Bucht des Blauen Feuers« 2012). Reist du gern und viel und wenn ja, was wäre ein bisher unerfülltes Traumziel für dich?

Ich traue es mich gar nicht zu sagen, aber Sansibar und Südwestafrika sind bisher unerfüllte Traumziele. Leider reise ich jedoch viel zu selten und ich bin zwar schon ganz gut rumgekommen, aber es gibt halt noch viele weiße Flecken auf meiner persönlichen Landkarte.

5. Du hast als Michelle Marly Romanbiografien über Coco Chanel, Maria Callas und Édith Piaf geschrieben. Warum gerade über diese drei Frauen? Gibt es da einen persönlichen Bezug oder hat sich das einfach so ergeben?

Es gibt jeweils einen indirekten Bezug, aber der war nicht der Grund für mich, gerade diese Protagonistinnen auszusuchen. Ich bewundere diese Frauen und deren Lebensleistung aus ganzem Herzen. Bei Coco Chanel ist mein Bezug durch die Bekanntschaft mit Karl Lagerfeld da, aber vor allem durch die Tatsache, dass ich dank meiner Mutter, einem ehemaligen Mannequin, mit einer gewissen Affinität für schöne Kleider aufgewachsen bin. Wer französische Chansons liebt, kommt an Édith Piaf nicht vorbei, und ich liebe besonders ihr Lied „La vie en rose“, dessen Entstehungsgeschichte ich ja beschrieben habe. Und bei Maria Callas ist das mit der Oper ähnlich, außerdem ist da ihre große Liebe zu Aristoteles Onassis, die viele Jahre nach dem Tod der Protagonisten noch meine ersten Jahre als Redakteurin bei Unterhaltungszeitschriften geprägt hat. Aber letztlich hat sich die konkrete Auswahl der Frauen in Zusammenarbeit mit meiner Agentin und meinem Verlag so ergeben. Ich könnte allerdings niemals in dieser Form über eine Künstlerin schreiben, die mich nicht irgendwie berührt.

6. Schreibe eine Geschichte in nur sechs Wörtern.

„Sein Blick veränderte ihr ganzes Leben.“

7. Welchen Klappentext hätte bei dir ein Buch mit dem Titel “Hafen am Morgen“?
(Danke an den Buchtitelgenerator für diesen Titel)

„Hamburg, Ende Juli 1914: Greta wartet in der so genannten Ballinstadt seit Wochen darauf, eine Überfahrt nach New York zu bekommen. Sie will unbedingt ihrem Verlobten nachreisen, der vor zwei Monaten plötzlich alles hinwarf und ohne eine Erklärung nach Amerika auswanderte. Ihr Leben steht seitdem Kopf, auf eine ungewisse Zukunft in der Heimat kann sie sich wegen des Kindes, das sie von ihm erwartet, nicht einlassen. Sie versucht ihre Schwangerschaft für sich zu behalten, doch der charmante junge Arzt, der die Passagiere untersuchen muss, lässt sich nicht täuschen. Da bricht der Krieg aus und Greta muss ihre Pläne über Bord werfen…“

8. Nenne einen Punkt von deiner “Bucket List”, den du noch nicht abhaken konntest. 

Die unten erwähnte Reise zu den Malediven gehört definitiv dazu.

9. An welchen fiktiven Ort würdest du gern reisen und welchen Gegenstand oder welche Person nimmst du von zuhause mit?

Wenn die Malediven mit Auto und Fähre erreichbar wären, würde ich meinen Hund einpacken und dorthin reisen. Natürlich würde ich auch meinen Mann, Tochter, Schwiegersohn und meine beiden Enkel mitnehmen. Aber in diesem speziellen Fall dürfte mein Labradormädchen das größte Problem sein. Im Gepäck hätte ich mein iPad, das nutze ich als eBook-Reader und man kann damit via Mail oder Facetime mit dem Rest der Welt kommunizieren.

10. Woran arbeitest du gerade und worauf dürfen sich deine Fans und solche, die es werden wollen, in nächster Zeit von dir freuen?

Ich bin gerade in den letzten Zügen eines – wie ich finde – wunderschönen Weihnachtsromans, der im September 2020 unter meinem Pseudonym Michelle Marly bei Rütten & Loening erscheint. Die Geschichte spielt in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts und ist sehr romantisch, zuweilen ein bisschen tragisch und sehr stimmungsvoll, also genau richtig für die Vorweihnachtszeit und als Geschenk bestens geeignet.